Standpunkt: Wir brauchen eine Kultur der energetischen Stadtsanierung

Freitag, den 14. Juni 2019

Amberg (14.06.2019) – „Die aktuelle Klimadebatte fokussiert unser Handeln auf Korrekturen und Anpassungen im Gebäudebestand“, erklärt Dieter Gerl, Vorstand des Wohnungsunternehmens. Nur auf Basis umfassender, integrierter Quartiersansätze sei das Erreichen eines klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 denkbar.

Das Wohnungsunternehmen Amberg steht vor drei großen Herausforderungen: Der Gebäudebestand soll klimaneutral werden, die Wohnungen sollen auch für ältere Bewohner mit Bewegungseinschränkungen noch nutzbar sein und die Mieten sollen bezahlbar bleiben.

Der Anteil an CO2-Emissionen aus der Versorgung von Wohngebäuden mit Wärme und Strom liegt deutschlandweit bei rund 23 %. Trotzdem spielen Wohnungsbau und Städteplanung in der Debatte um den Klimaschutz nur eine untergeordnete Rolle. Es werde viel zu wenig über die Qualität der gebauten Umwelt diskutiert. Die Akteure aus Politik und Wirtschaft müssten gemeinsam eine Vorstellung davon entwickeln, wie man Klimaschutz räumlich und städtebaulich interpretieren und die Energiewende sozial verträglich gestalten könne, erklärt Gerl: „Wir brauchen eine gemeinsame Kultur der energetischen Stadtsanierung. Dazu gehören Lösungen, die die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abholen und mitnehmen.“

Im Zuge der Quartiersentwicklung am „Eisberg“ will die Genossenschaft 421 Bestandswohnungen in 65 Häusern aus den 1920er bis 1960er Jahren umfassend auf Vordermann bringen. Den Einstieg markiert der Neubau von 15 barrierefreien Mietwohnungen mit Tiefgarage an der Plechstraße, der noch im Juni 2019 beginnt. Die Mieter der zwei neuen Häuser können sich über einen modernen Fahrstuhl und eine Tiefgarage mit 29 Stellplätzen freuen. Bereits im Frühjahr 2020 soll dann mit der Generalmodernisierung der ersten Häuser und Wohnungen an der Endemannstraße 1 begonnen werden. Zug um Zug sollen dann die übrigen Häuser im Quartier folgen.

Die Menschen, die in den von der Modernisierung betroffenen Mietshäusern wohnen, müssen für die Dauer der Bauzeit umziehen. Dem Vorstand der Wohnungsgenossenschaft sei bewusst, dass das Vorhaben die Mieter in den bestehenden Wohnungen verunsichern könne, sagt Gerl. „Als Genossenschaft nehmen wir aber unsere Verantwortung für unsere Bewohnerinnen und Bewohner sehr ernst. Deshalb kümmern wir uns intensiv darum, dass die Betroffenen für den Zeitraum der Bauarbeiten in eine andere, adäquate Wohnung im Quartier ziehen können“, erklärt er. Die zunächst betroffenen Mieter habe man bereits persönlich über die geplante Gebäudemodernisierung informiert. Für die Mehrzahl seien bereits Ausweichquartiere gefunden. Im Übrigen habe sich die Genossenschaft verpflichtet, die Aufwendungen für den Umzug zu erstatten und auf Wunsch den Rückzug in die modernisierte Wohnung zu ermöglichen.

Das KfW-Programm „Energetische Stadtsanierung“ bietet die Chance, durch die gebäudeübergreifende Betrachtung, die Kopplung von Gebäudemodernisierung und Umbau der Wärmeversorgung sowie die Berücksichtigung einer mittel- bis langfristigen Perspektive innovative, hocheffiziente Systemlösungen zu entwickeln. „Dazu brauchen wir aber positiv-visionäre Unterstützer aus der Kommunal- und Politikebene, um einen Prozess des Klimaschutzes vor Ort anzustoßen“, sagt Gerl.

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